WIE WIRD AKTUELL DIE CORONA-KRISE GEFRAMT?

Von Antonia Weckert

Was bedeutet Framing und wozu wird dies überhaupt angewendet?
Gezielte Manipulation oder herkömmliche, unbeabsichtigte Natur des Berichtens? So
einfach lässt sich der Begriff des Framings nicht pauschal einordnen. Wortwörtlich übersetzt
handelt es sich beim Framing um das „Rahmen“ von Beiträgen. Dabei findet eine
Fokussierung einer Perspektive statt, bei der andere Aspekte im Hintergrund gehalten
werden oder es findet eine selektive Informationsaufnahme statt.
Dem Framing-Begriff wird dabei oftmals eine negative Konnotation nachgesagt:
Manipulation und Propaganda stehen im Vordergrund. Dennoch handelt es sich nicht immer
um eine verzerrte Inhaltspräsentation. Das Framing existiert nicht nur in den Medien,
sondern auch in alltäglichen Situationen. Wir selbst ordnen Informationen gewissen
Bedeutsamkeiten zu und können daher Relevantes von Irrelevantem trennen.
Schlussfolgernd lässt sich sagen, dass es sich beim herkömmlichen Framing um die selektive
Darstellung eines Inhaltes handelt. (vgl. Matthes, 2014, S. 4) Jedoch wird Framing ebenfalls
dazu genutzt, um Themen, wie in diesem Essay die Corona-Krise, aus unterschiedlichen
Blickwinkeln zu betrachten, um somit eine Urteilsbildung zu erzwingen.
Inwiefern der Nachrichtenanbieter BILD Themen rund um die Corona-Krise strategisch framt
und damit die Leser*innen in eine gezielte Richtung beeinflusst, wird im Folgenden
dargestellt.

Das Corona-Virus und die BILD
Auf der Homepage der Bild.de ist kein eigener Reiter zum Thema Corona-Virus vorhanden,
im Gegensatz zu vielen anderen Websites derzeit. Dies könnte schon auf ein Framing
hinweisen, dass Bild.de eine nicht so hohe Aktualität und Dringlichkeit in der Problematik
sieht. Jedoch befindet sich gleich unter den Unterkategorien der Website eine „Breaking
News“-Anzeige, bei der in Laufschrift wichtige News durchlaufen, welche auf allen
Unterseiten gleichermaßen auftaucht. In der Abbildung 1 ist erkennbar, dass dort dauerhaft
die gleiche Information erscheint. Durch die schwarze Hinterlegung des Textes wird derdie Leser*in stark persuiert.

Disclaimer: Dabei handelt es sich jedoch nicht nur um Corona-Nachrichten, sondern auch um Nachrichten aus anderen Themenbereichen. Des Weiteren befinden sich auf der Startseite zahlreiche andere Artikel, welche nichts mit der aktuellen Corona-Problematik zu tun haben. Dabei sind die Artikel aus den unterschiedlichsten Rubriken, wie Politik, Sport aber auch jede Menge Klatsch und Tratsch. Hier wird ersichtlich, dass den Leser*innen kein Gefühl von Angst oder Panik bezüglich des Virus übermittelt werden soll. Denn andere Themen sind ebenfalls von Bedeutung und stehen hier im Vordergrund. Erst beim Runterscrollen auf der Startseite befindet sich ein Artikel, welcher sich sowohl visuell als auch textlich von den anderen Artikeln abhebt. 

Ein Bild, das Zeitung, Hand, Frau, haltend enthält.

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In leuchtenden gelb-goldenen Farben sowie dicken Großbuchstaben, wie in Abbildung 2 erkennbar, erscheint die Überschrift CORONA-VIRUS. Die Bedeutungen der Farbe Gelb sind Wärme und Optimismus – ob diese Farbe hier gezielt eingesetzt wurde ist nicht klar. Die Farbe könnte lediglich zum Auffallen des Beitrages dienen oder aber auch bewusst eingesetzt werden, um bei dem*der Leser*in ein positives Gefühl bezüglich des Corona-Virus hervorzurufen. Dennoch wird hiermit jegliche Aufmerksamkeit auf die Krise gelenkt – ein besonderer Hingucker ist dabei der Live-Ticker, bei welchem alle 10 Sekunden die vergangenen wichtigsten Nachrichten des Tages in Bezug auf die Krise angezeigt werden. Jedoch gibt es eine separate Seite, welche sich allein mit dem Corona-Virus beschäftigt. Diese ist allerdings nicht so einfach zu finden – lediglich das Googlen der Begriffe bild.de und Corona-Virus führt beim fünften Treffer zur Corona-Seite der Bild.de. Auf dieser gibt es Kategorien wie Impfstoff, Regeln, Ansteckung, Mundschutz oder Notbetreuung. Alles Themen, welche für die Gesellschaft relevant und von großer Bedeutung sind. Bei den Überschriften handelt es sich weitestgehend um harte, oftmals negative Aussagen, welche nicht objektiv gehalten werden. Besonders herausstechend ist der Beitrag in Abbildung 3 mit der Überschrift Hier wurde das Todes-Virus geboren – eine vierteilige Dokumentation, diese ist jedoch nur für BILDPLUS-Abonnenten sichtbar. Durch das visuelle Hervorstechen des Begriffs Todes-Virus wird hier in gewisser Art und Weise eine Angst vermittelt. Denn hier handelt es sich um einen vermeintlichen Fakt, welcher vollständig auf eine negative Beeinflussung der Lesenden abzielt.

Ein Bild, das Zeitung, LKW, Schild, Zug enthält.

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Abbildung 3 – Todes-Virus (Quelle: bild.de)

Solche herausstechenden prägnanten Überschriften existieren in großer Anzahl auf der Website. Oftmals sind diese verbunden mit Emotionalität – Job-Angst wegen Corona!, Neue Corona-Fälle in Magdeburger Quarantäne-Gebiet oder auch Hitzeprobe für den Kreislauf. Auch die Überschrift So hart traf Corona deutsche Firmen hätte neutraler ausgewählt werden können – jedoch hätte der Beitrag dann vermutlich deutlich weniger Aufmerksamkeit erzeugt. Bei dem Nachrichtenanbieter BILD existieren keine neutralen Überschriften, sondern hier steht eine gezielte Persuierung im Vordergrund. 

Bei der Sichtung der Beiträge ist auffallend, dass bereits über die meisten, wichtigen Informationen der Corona-Krise berichtet wurde. Daher wird nun vermehrt bei Alltagsthemen die Corona-Thematik als Aufhänger genutzt. Dies betrifft vor allem Alltagsthemen wie die aktuelle Urlaubsgestaltung, welche in der Bevölkerung aufgrund der Sommersaison und der anstehenden Sommerferien besonders im Vordergrund stehen.
Auffällig ist ebenfalls, dass mit dem Wort Corona jeglicher Neologismus betrieben wird: Corona-Sommer, Corona-Party, Corona-Urlaub oder auch Corona-Jobkrise. So scheint die Redaktion auch nicht auf eine einheitliche Schreibweise des Corona-Virus zu setzen, denn es existieren zahlreiche Schreibweise wie Corona-Virus oder Coronavirus, weiter dann auch mit den zusammengesetzten Substantiven wie Coronavirus-Fälle. Dies erweckt den Eindruck, dass viele verschiedene Autoren an den Artikeln dieser Seite arbeiten, ohne ein einheitliches Bild verkörpern zu wollen.

Des Weiteren findet grundsätzlich kein regionaler Bezug von Themen statt, stattdessen wird von der Corona-Krise aus verschiedenen Teilen der Welt informiert. Dies liegt daran, dass die Redakteure so viele Bereiche wie möglich abdecken wollen und es sich bei Bild.de nicht um einen regionalen Nachrichtenanbieter handelt. Der*Die Nutzer*in erfährt lediglich weitere Informationen über eine gewünschte Stadt oder ein Bundesland, wenn er auf der „Corona-Seite“ nach unten scrollt. Dort befinden sich Themen mit regionalem Bezug.

Auffällig ist jedoch, dass die Leser*innen nicht dazu aufgerufen werden selbst zu handeln, da kaum suggeriert wird, dass keine akute Gefahr mehr besteht.

Fazit
Eine Antwort auf die Frage Ob aktuell die Corona-Krise geframt wird? kann mit einem präzisen Ja geantwortet werden. Die verschiedenen Nachrichtenanbieter framen in unterschiedlicher Art und Weise mit vorher definierten Zielen. So auch die Bild-Redaktion. Diese wählen ihre Titel mit dem Ziel durch Übertreibung Clickbaits auszulösen (dt. Klickköder). Emotionale Ansichten, harte und stark negative Aussagen prägen die Überschriftenwelt des Nachrichtenanbieters BILD.

Dennoch vermittelt die Berichterstattung keine direkte Panik oder Angst, es wird stattdessen das Corona-Virus als Aufhänger für alltägliche Themen genutzt. Es findet eine eher informierende Berichterstattung statt, welche keine klare Haltung einnimmt. Der*Die Leser*in wird mit prägnanten Überschriften konfrontiert, kann sich jedoch ein eigenes Bild machen. Ein besonders wichtiger Aspekt ist, dass Bild.de das am zweithäufigsten besuchte Nachrichtenportal ist. Lediglich das t-online.de Angebot erzielt mit 456,18 Millionen Visits im Mai 2020 mehr Besuche, dicht gefolgt von Bild.de mit 447,79 Millionen Visits. Die darauffolgenden Nachrichtenunternehmen wie Der Spiegel, Welt, Süddeutsche.de beginnen bei knapp 250 Millionen Visits im Mai 2020. (Weidenbach, 2020) Daran wird das Ausmaß der Nutzung von Bild.de bei den Lesern*innen deutlich. Der BILD wird somit ein gewisses Vertrauen entgegengebracht, daher ist es wichtig, dass der*die Leser*in sich über das Framing bewusst wird, um mit einer gewissen Objektivität den Beiträgen gegenüber zu treten.

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